Der Sourcing Markt

Das letzte Jahr war für viele Personalberater geprägt von einem trägen Kandidatenmarkt mit wechselunwilligen Bewerbern. Jetzt boomt die Branche wieder und viele Unternehmen stehen vor deHerausforderung, die zahlreichen Projekte mit Talenten zu füllenWie sieht der Sourcing Markt zurzeit aus, vor welchen Herausforderungen stehen die Recruiter und welche Tipps gibt es jetzt für das richtige Active Sourcing? Darüber haben wir mit Sourcing Expert Johannes „Janni“ Dalampiras gesprochen.

 

Johannes ist seit mehr als Jahren Spezialist für den Sourcing Markt und hat bereits in der Personalberatung sowie auch als Inhouse Recruiter Kandidaten für Positionen begeistert. Neben seiner Funktion als Senior Recruiter bei Shop Apotheke ist er als „The Sourcing Evangelist” Trainer für Personalberatungen und hat als externer Sourcer über 100 Projekte besetzt. 

Wir starten unsere Interviewreihe mit Johannes mit dem Status Quo des Marktes, bevor wir in den nächsten Folgen den Einsatz von Technologie sowie die richtige Ansprache näher beleuchten.

Du unterstützt seit vielen Jahren Unternehmen beim Sourcing von Kandidaten, besonders in den Bereichen IT und Finance. Wie siehst Du den Kandidatenmarkt zurzeit, welche Entwicklungen lassen sich in der „Post-Corona“ -Zeit feststellen?

Der Arbeitsmarkt ist in 2021 grundsätzlich wieder wacher und aktiver geworden. Während im letzten Jahr das Sicherheitsbedürfnis signifikant erhöht war, ist kandidatenseitig das Bewerbungsverhalten als auch der Wille zu Wechseln deutlich gestiegen. Der Bedarf am Markt nach den richtigen Talenten ist hoch:  Es werden teilweise Recruiter oder Sourcer wie Devs oder Engineers gesucht. Unternehmen, die zu Beginn der Krise viele gute Mitarbeiter freisetzen mussten, laufen diesen jetzt hinterher. Somit wird die richtige Sourcing Strategie und insbesondere die richtige Ansprache umso wichtiger.

Auch das oft vernachlässigte Thema Employer Branding und die damit verbundene Corporate Communication hat weiterhin an Bedeutung gewonnen. Als Unternehmen muss man entweder das Vertrauen als Arbeitgeber wiederherstellen oder die Präsenz so anpassen, dass dadurch Vertrauen entsteht. Das „WHY“ hinter Unternehmensentscheidungen ist zentraler als je zuvor und entscheidet am Ende über Zusage oder Absage der Kandidat*innen.

Wenn das Interesse bei den richtigen Kandidat*innen erstmal geweckt ist, machen es sich viele Unternehmen aber auch durch unpassende Anforderungskriterien oder nicht optimierte Auswahlmethoden schwer.

Wie stellen sich die Unternehmen zum Thema Sourcing mittlerweile auf? Ist das Bewusstsein gestiegen, dass Post & Pray nicht mehr ausreicht und die aktive Kandidatenansprache unumgänglich ist?

Das Bewusstsein, dass ein Prozess ohne Active Sourcing nicht mehr ausreicht, ist deutlich gestiegen. Unternehmen investieren in interne Trainings oder externe Sourcing-Dienstleistung oder sind auch bereit, das ganze Recruiting dementsprechend zu modernisieren oder völlig auf Sourcing umzustellen. Recruiting grenzt sich dabei für mich so ab, dass wir auf der einen Seite den linear verlaufenden operativen/administrativen  Rec-Prozess haben, der sich um die Pipeline und die richtige Auswahldiagnostik dreht. Auf der anderen Seite ist der sehr agilen Sourcing-Prozess, der die Pipeline strategisch aufbaut und als eine Art Bypass oder Turbo im Recruiting-Prozess gilt. Dabei gibt es verschiedenen Ansätze, wo Sourcing beginnt oder aufhört.

Gestiegenes Bewusstsein bedeutet jedoch nicht gleichzeitig, dass die Unternehmen auch verstanden haben, was richtiges Active Sourcing bedeutet. Häufig erkennt man das schon an den Stellenausschreibung für eine entsprechende Vakanz. Oft lesen sich diese immer noch eher als Recruiting Position als eine reine Stelle für das Sourcing. Auch der weitere Einstellungsprozess ist oft nicht für den gesourcten Kandidaten optimiert. Das Unternehmen muss hier deutlich länger in der Rolle des „(Be)Werbenden“ bleiben als auch sein Interview-Verhalten anpassen. Wertschätzung und eine enge Kommunikation bleiben hier essentiell. Standardfragen wie „Wieso haben sie sich bei uns beworben?“ dürfen da z.B. nicht vorkommen.

Was siehst Du als die größten Herausforderungen im Active Sourcing?

Es lassen sich einige Challenges im Active Sourcing identifizieren, wie z.B. die richtige Methodik, Technologien, Einsatz von Tools und fehlende Prozesse oder Strukturen.

Die wirklich größte Herausforderung ist nach wie vor die richtige Ansprache der passenden Kandidat*innen. Hier führe ich in jedem meiner Trainings, Interviews oder Key-Notes an: „Wenn man es bei der Ansprache vermasselt, dann kann man sich auch den gesamten Sourcingprozess sparen!“

Welche Tipps kannst Du dafür den Unternehmen mitgeben?

Tipp 1: Eine gute Ansprache braucht gutes Story-Telling und Zeit, um Individualität und Wertschätzung mit einzubringen. Nehmt Euch die Zeit.

Tipp 2: Skaliert Recruiting/HR-Service und Sourcing gleich oder zumindest angenähert an Euren Wachstum.

Tipp 3: Investiert in das Sourcing Know How für Recruiter/Sourcer.

Tipp 4: Passt eure Recruiting-Prozesse an den Sourcing-Prozess an.

Tipp 5: Stellt Leute ein, die ein Sourcer-Mindset haben, anstatt reine Recruiter*innen

Vielen Dank für Deine Sicht auf den aktuellen Markt.

Nächste Woche sprechen wir mit Johannes darüber, wie der Einsatz der richtigen Technologie den Sourcing Prozess optimieren kann. Seid gespannt! 

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